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Krankmeldung Kündigung

23. Januar 2026 / Arbeitsrecht Anwalt Berlin

Krankmeldung und Kündigung

Rechte, Pflichten, Risiken und Schutz für Arbeitnehmer

Kurzüberblick (Definition)

Krankmeldung und Kündigung sind zwei arbeitsrechtliche Themen, die besonders häufig miteinander kollidieren. Viele Arbeitnehmer fragen sich:

  • Darf man während einer Krankheit gekündigt werden?
  • Ist eine Kündigung nach einer Krankmeldung automatisch unwirksam?
  • Was gilt bei häufiger oder langer Krankheit?
  • Was ist eine „Krankfeier-Kündigung“?
  • Welche Fristen und Beweise sind entscheidend?

Die kurze Antwort:
Eine Kündigung trotz Krankmeldung ist grundsätzlich möglich – aber oft angreifbar.

Die lange Antwort folgt jetzt.

1. Was bedeutet eine Krankmeldung im Arbeitsrecht?

1.1 Begriff und rechtliche Einordnung

Eine Krankmeldung ist die formelle Mitteilung des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber, dass er arbeitsunfähig erkrankt ist.

Rechtsgrundlage ist § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG).

Der Arbeitnehmer muss:

  • unverzüglich mitteilen, dass er arbeitsunfähig ist
  • die voraussichtliche Dauer angeben
  • spätestens ab dem 4. Kalendertag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen
    (früher, wenn der Arbeitgeber es verlangt)

1.2 Arbeitsunfähigkeit ≠ Krankheit

Wichtig:
Nicht jede Krankheit ist automatisch eine Arbeitsunfähigkeit.

Arbeitsunfähig ist man nur dann, wenn man:

  • die geschuldete Tätigkeit nicht ausüben kann oder
  • sie nicht ohne Gefahr der Verschlimmerung ausüben sollte

1.3 Elektronische Krankmeldung (eAU)

Seit 2023 erfolgt die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsdaten elektronisch von der Krankenkasse an den Arbeitgeber.

Aber:
Die Pflicht zur Krankmeldung bleibt beim Arbeitnehmer.

2. Kündigung – Grundlagen im Überblick

2.1 Ordentliche und fristlose Kündigung

Man unterscheidet:

  • Ordentliche Kündigung (mit Frist)
  • Außerordentliche / fristlose Kündigung (nur bei schwerem Fehlverhalten)

Eine Krankheit allein rechtfertigt keine fristlose Kündigung.

2.2 Kündigungsschutzgesetz (KSchG)

Das Kündigungsschutzgesetz greift, wenn:

  • der Betrieb mehr als 10 Mitarbeiter beschäftigt und
  • das Arbeitsverhältnis länger als 6 Monate besteht

Dann darf der Arbeitgeber nur kündigen, wenn ein sozial gerechtfertigter Grund vorliegt:

  • personenbedingt
  • verhaltensbedingt
  • betriebsbedingt

3. Darf man während einer Krankmeldung gekündigt werden?

3.1 Grundsatz

Ja, eine Kündigung während einer Krankmeldung ist grundsätzlich zulässig.

ABER:
Das bedeutet nicht, dass sie automatisch wirksam ist.

3.2 Der Irrtum: „Während Krankheit darf man nicht kündigen“

Das ist einer der häufigsten Mythen im Arbeitsrecht.

Richtig ist:

  • Eine Krankmeldung schützt nicht absolut vor Kündigung
  • Sie erschwert dem Arbeitgeber jedoch die Rechtfertigung erheblich

4. Kündigung wegen Krankheit (personenbedingte Kündigung)

4.1 Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung möglich?

Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur wirksam, wenn alle drei Stufen erfüllt sind:

1. Negative Gesundheitsprognose

Es ist zu erwarten, dass der Arbeitnehmer auch in Zukunft häufig oder lange arbeitsunfähig sein wird.

2. Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen

z. B.:

  • hohe Entgeltfortzahlungskosten
  • dauerhafte Betriebsstörungen
  • Überlastung anderer Mitarbeiter

3. Interessenabwägung zugunsten des Arbeitgebers

Hier werden u. a. berücksichtigt:

  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Alter
  • Unterhaltspflichten
  • bisherige Krankheitsursachen

Diese Hürde ist hoch.

4.2 Häufige Fehlannahmen von Arbeitgebern

  • „Der war oft krank – das reicht“
  • „Sechs Wochen krank = Kündigung“
  • „Burnout ist kein Kündigungsschutz“

Falsch.

5. Kündigung unmittelbar nach Krankmeldung

5.1 Kündigung am ersten Krankheitstag

Eine Kündigung direkt nach einer Krankmeldung ist besonders kritisch.

Gerichte prüfen dann sehr genau:

  • Gab es bereits vorher Kündigungspläne?
  • Wird Krankheit nur vorgeschoben?
  • Liegt eine Maßregelung vor?

5.2 Maßregelungsverbot (§ 612a BGB)

Der Arbeitgeber darf Arbeitnehmer nicht benachteiligen, weil sie ihre Rechte ausüben.

Dazu zählt ausdrücklich auch die Krankmeldung.

Wenn die Kündigung erfolgt, weil man krank ist oder sich krankmeldet, ist sie unwirksam.

6. Kündigung trotz Krankschreibung – typische Konstellationen

6.1 Kündigung während kurzer Erkrankung

  • Grippe
  • Infekt
  • Rückenbeschwerden

In der Regel nicht kündigungsrelevant

6.2 Kündigung während langer Krankheit

  • mehrere Monate
  • längere Reha
  • wiederholte AU-Phasen

Kündigung theoretisch möglich, praktisch oft angreifbar

6.3 Kündigung bei psychischer Erkrankung

  • Burnout
  • Depression
  • Angststörung

Diese gelten vollwertig als Krankheit.

Besonderheit:
Arbeitgeber müssen mildere Mittel prüfen (BEM, Umsetzung, Teilzeit).

7. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

7.1 Was ist BEM?

Ein BEM ist verpflichtend, wenn der Arbeitnehmer:

  • länger als 6 Wochen innerhalb von 12 Monaten krank war

Ziel:

  • Arbeitsplatz erhalten
  • erneute Erkrankung vermeiden

7.2 Kündigung ohne BEM

Eine Kündigung ohne vorheriges BEM ist nicht automatisch unwirksam, aber:

sehr oft rechtswidrig

Gerichte werten das regelmäßig zulasten des Arbeitgebers.

8. Kündigung während Krankheit bei Kleinbetrieben

8.1 Kein Kündigungsschutz – aber nicht rechtlos

Auch ohne Kündigungsschutz gilt:

  • Kündigung darf nicht sittenwidrig
  • nicht diskriminierend
  • nicht willkürlich sein

Auch hier kann eine Kündigung angreifbar sein – vor allem bei:

  • zeitlichem Zusammenhang
  • offensichtlicher Bestrafung

9. Kündigung und Entgeltfortzahlung

9.1 Lohnfortzahlung nach Kündigung

Wird während Krankheit gekündigt:

  • Entgeltfortzahlung läuft bis zu 6 Wochen weiter
  • unabhängig vom Kündigungsdatum

9.2 Krankengeld nach Kündigung

Nach Ende der Lohnfortzahlung:

  • Krankengeld durch Krankenkasse
  • auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses

10. Kündigung bei Verdacht auf „Krankfeiern“

10.1 Was ist Krankfeiern?

Der Arbeitgeber glaubt, der Arbeitnehmer sei nicht wirklich krank, sondern:

  • arbeitet woanders
  • macht Urlaub
  • geht Freizeitaktivitäten nach

10.2 Beweislast liegt beim Arbeitgeber

Eine AU-Bescheinigung hat hohen Beweiswert.

Der Arbeitgeber muss:

  • konkrete Tatsachen
  • nachprüfbare Beweise

vorlegen.

10.3 Kündigung wegen vorgetäuschter Krankheit

Nur möglich bei:

  • nachweislichem Betrug
  • schwerem Vertrauensbruch

Sehr selten gerichtsfest

11. Fristlose Kündigung während Krankheit

Eine fristlose Kündigung ist nur möglich, wenn:

  • ein schweres Fehlverhalten vorliegt
  • völlig unabhängig von der Krankheit

Beispiele:

  • Diebstahl
  • massive Beleidigung
  • Tätlichkeiten

Krankheit schützt nicht vor Konsequenzen – aber vor Willkür.

12. Kündigungsschutzklage – das wichtigste Instrument

12.1 Die 3-Wochen-Frist

Extrem wichtig:

Kündigungsschutzklage muss innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung eingereicht werden.

Danach gilt die Kündigung als wirksam, selbst wenn sie rechtswidrig war.

12.2 Erfolgsaussichten bei Kündigung während Krankheit

In der Praxis:

  • sehr gute Chancen
  • häufige Vergleiche
  • oft Abfindung

13. Abfindung bei Kündigung trotz Krankmeldung

13.1 Kein Automatismus – aber starke Verhandlungsposition

Eine Abfindung ist nicht garantiert, aber:

  • Arbeitgeber wollen Prozessrisiken vermeiden
  • Krankheitskündigungen sind schwer zu begründen

Abfindungen sind häufig realistisch

13.2 Höhe der Abfindung

Faustformel:

0,5 Bruttomonatsgehälter pro Beschäftigungsjahr

In der Praxis:

je nach Verhandlungsposition deutlich mehr

14. Sonderkündigungsschutz trotz Krankheit

Krankheit allein schafft keinen Sonderkündigungsschutz, aber Kombinationen sind wichtig:

  • Schwerbehinderung
  • Schwangerschaft
  • Pflegezeit
  • Auszubildende

Hier gelten zusätzliche Hürden.

15. Typische Fehler von Arbeitnehmern

  • Kündigung einfach hinnehmen
  • Frist verpassen
  • Krankmeldung abbrechen
  • Aufhebungsvertrag unterschreiben
  • Selbst kündigen

Das kostet oft tausende Euro.

16. Typische Fehler von Arbeitgebern

  • Kündigung aus dem Bauch heraus
  • Kein BEM
  • Schlechte Dokumentation
  • Kündigung „aus Ärger“
  • Formfehler

Angriffsfläche für Klagen

17. Häufige Fragen (FAQ)

Ist eine Kündigung während Krankschreibung automatisch unwirksam?

Nein – aber häufig angreifbar.

Darf mir wegen häufiger Krankheit gekündigt werden?

Nur unter sehr engen Voraussetzungen.

Muss ich trotz Kündigung krankgemeldet bleiben?

Ja, solange Arbeitsunfähigkeit besteht.

Bekomme ich Krankengeld nach Kündigung?

Ja, bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit.

18. Krankmeldung und Kündigung – rechtlich komplex, praktisch entscheidend

Eine Kündigung im Zusammenhang mit einer Krankmeldung ist kein Selbstläufer für den Arbeitgeber.

Im Gegenteil:
Sie ist eines der konfliktträchtigsten Felder im Arbeitsrecht.

Für Arbeitnehmer gilt:

  • Nicht vorschnell reagieren
  • Fristen beachten
  • rechtlich prüfen lassen
  • Verhandlungsposition nutzen

Sehr häufig lässt sich:

  • die Kündigung abwehren oder
  • eine spürbare Abfindung erzielen

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Jeder Fall ist anders – Details entscheiden.

Kündigung nach Krankmeldung erhalten?

Eine Kündigung im Zusammenhang mit einer Krankmeldung ist rechtlich hochsensibel –
und für Arbeitgeber oft angreifbar. Lassen Sie jetzt prüfen,
ob die Kündigung wirksam ist und welche Möglichkeiten Sie haben.

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